Zum besseren Verständnis der Kennzeichnung von
Futtermitteln.
Etwas Grundwissen zum besseren Verständnis der
vorschriftsmäßigen Kennzeichnung von Futtermitteln.
Die Mindestanforderungen beinhalten Angaben über
Art des Futters, wichtigste Inhaltsstoffe, Zusammensetzung
(in der Reihenfolge der Mengenanteile), Haltbarkeit,
Hersteller und Inhalt der jeweiligen Verpackungseinheit.
Selbstverständlich besteht diese Kennzeichnungspflicht
auch für nachträgliche Unterverpackungen.

Abb: Beispiel zur Kennzeichnung von Koifutter
Die Deklaration gibt nur allgemeine Hinweise zur Beurteilung
der Qualität eines Futtermittels:
Rohprotein
Gibt den Gehalt aller stickstoffhaltigen Anteile in
der Mischung an, sagt aber nur wenig über die Eiweißqualität
aus. Einen allgemeinen Hinweis dazu gibt die Pflichtangabe
zum Lysingehalt.
Entscheidend ist der für Koi verdauliche, verwertbare
Eiweißanteil des Rohproteins.
Eiweißbausteine
sind die Aminosäuren, die z.T. im Stoffwechsel
der Tiere hergestellt werden können, z.T. jedoch
über die Nahrung zugeführt werden müssen.
Der Anteil dieser sogenannten essentiellen Aminosäuren
bestimmt die Futterwirksamkeit (biologische Wertigkeit)
des gesamten im Futter vorhandenen Eiweißes.
Die sehr häufig eingesetzten reichlichen Rohproteingehalte
mit für Koi unausgewogenem Aminosäuremuster
müssen vom Stoffwechsel – diesen dabei belastend
– ab- und umgebaut werden. Erhöhte Ausscheidungen
stickstoffhaltiger Verbindungen belasten unnötig
das Teichwasser und den Filter. Wird jedoch teures,
für Koi biologisch hochwertiges Eiweiß eingesetzt,
kann dieses auch verwertet, d.h. in Körpersubstanz
umgebaut werden (Fischnährtiere haben oft über
60% Rohprotein!).
Höchste Verwertbarkeit für Koi bieten Eiweiße
aus Fischerzeugnissen, Fischnährtieren und bestimmten
Algen.
Werden dann noch andere in der Mischung enthaltene
Eiweiße durch den Zusatz synthetischer Aminosäuren
(z.B. Lysin und Methionin) komplettiert, entsteht ein
ausgewogenes Futter mit höchster Futterwirksamkeit
und Bekömmlichkeit des Eiweißanteiles.

Rohfett
Diese Angabe schließt alle in der Mischung enthaltenen
Fette ein; auch die, die für Koi nur schwer oder
gar nicht verdaulich sind. In besonderem Maße
gilt, den Koi eine ausgewogene, artgerechte Fettqualität
zur Verfügung zu stellen. Hochverdaulich sind mehrfach
ungesättigte Fettsäuren in Seetierölen
und bestimmten Algen- und Pflanzenölen. Soweit
diese nicht durch Bearbeiten zu stark verändert
wurden.
Rohfettanteile aus gehärteten Fetten sind nur
bei höheren Wassertemperaturen ab etwa 16/18°
Grad teilweise verdaulich, Fette von Landtieren überwiegend
ungeeignet.
Fettbausteine sind die Fettsäuren. Es gibt ebenfalls
essentielle Formen, die unbedingt mit der Nahrung zugeführt
werden müssen. Der Organismus der Koi kann sie
nicht selbst herstellen. Und wie bei den Eiweißbausteinen
begrenzt ein etwaiger Untergehalt dieser Fettsäuren
die Verwertbarkeit des gesamten Fettanteils in der Mischung
nach unten.
Ausreichende Zufuhr geeigneter Fettsäuren hat
eine ganz besondere Bedeutung bei bevorstehenden winterlichen
Fastenperioden. Sie ist nicht nur wichtig zu deren schadlosen
Überstehen, sondern für die Fähigkeit
des Organismus der Koi, im Frühjahr schnell und
ausreichend lebensnotwendige Energie zu mobilisieren.
Die geeigneten Fettsäuren – ein- bis mehrfach
ungesättigte – sind alle sehr empfindlich
gegen Erhitzen im industriellen Verarbeitungsprozess.
Eine optimale Zufuhr ist bisher praktisch nur über
nachträgliche Zugabe naturbelassener Seetieröle
(und bestimmter Algen) zum Futter möglich.
Rohfaser
Wichtiges Bewertungskriterium für die Verdaulichkeit
der Gesamtration. Je höher der Rohfasergehalt,
desto geringer ist die Verdaulichkeit aller anderen
Nährstoffe. Ein gewisser Rohfaseranteil ist jedoch
zur ausreichenden Verweildauer des Nahrungsbreies im
Darm und zur Verteilung der Nährstoffe erwünscht.
Feuchtigkeit
Die Grenze für die ausreichende Lagerfähigkeit
eines Futters liegt bei etwa 8 - 9% Wassergehalt. Niedrigere
Wassergehalte bedeuten nicht nur verbesserte Lagerfähigkeit,
sondern folgerichtig eine höhere Nährstoffdichte
bei Verringerung des Volumengewichtes.
Rohasche
Gibt einen Hinweis auf den Gehalt anorganischer Bestandteile
einschließlich der Mineralstoffe. Nur Calzium
und Phosphor müssen deklariert werden. Wissenswert
ist vielleicht, dass Koi in der Lage sind, viele Mineralstoffe
aus dem Wasser aufzunehmen. Trotzdem sollte ein gutes
Futter zur Sicherheit Zulagen an Mineralstoffen enthalten.
Als Ausgleich für den oft nur geringen Gehalt in
unseren gefilterten Teichanlagen mit häufig nur
wenig Wasserwechsel.
Kohlehydrate
Sind nicht deklarationspflichtig. Kohlehydrate sind
in gewissen Grenzen in nicht zu rohfaserhaltigen Mischungen
bei höheren Wassertemperaturen gut verdaulich.
Die Zufuhr von zu viel Kohlehydraten (z.B. im Brot)
können bei Koi unerwünschten Fettansatz in
Leber und Bauchraum fördern.
Zusatzstoffe
Werden über den sogenannten Praemix, bestehend
aus Mineralstoffen, Spurenelementen, Vitaminen und diversen
Stoffen mit Sonderwirkungen dem Komponentengemisch zugegeben.
Nicht alle zugesetzten Stoffe müssen deklariert
werden. Von den Spurenelementen nur Kupfer und Selen,
von den Vitaminen A, D3 und E. Ein gutes Koifutter sollte
auch genügende Zulagen an Vitamin C haben, dies
gilt in hohem Maße für Hochleistungsfutter
und die Jungfischernährung.
Die zugesetzten Wirkstoffe sind überwiegend synthetischen
Ursprungs und fast immer stabilisiert (gegen Zerfall
geschützt).
Vitaminzusätze werden meist über den Bedarf
hinaus dosiert, um einen gewissen Schwund während
der Lagerzeit des Futters auszugleichen. Oft aber auch
aus rein optischen Gründen.
Ein hochwertiges Futter enthält wesentlich mehr
zugesetzte Vitamine als zu deklarieren sind.
Bei
richtiger Lagerung sorgfältig hergestellter Futter
mit stabilisierten Vitaminzusätzen kann davon ausgegangen
werden, dass bis zu etwa 12 Monaten Lagerdauer ab dem
Herstellungstag zumindest noch bedarfsgerechte Vitamingehalte
vorhanden sind.
Eine zunehmend hohe Bedeutung haben bei den heutigen
intensiven Haltungsformen mit z.T. sehr hochgezüchteten,
empfindlicheren Fischen Futterzusätze zur Unterstützung
des Immunsystems. Wirklich hochwertige Koifutter enthalten
mehrere verschieden wirkende Immunstimulantien. Dazu
gehören geeignete Pflanzen-, Hefe und Algenextrakte,
sowie probiotisch wirkende Kulturen.
Was sind pro- und
prebiotische Kulturen?
Vereinfacht ausgedrückt sind Probiotika bestimmte
lebende Kulturen (u.a. Milchsäurebakterien), die
die Gesamtheit der im Verdauungstrakt immer vorhandenen
Bakterien positiv beeinflussen, sie bei der Verdauungsarbeit
unterstützen. Die Qualität der Verdauung hat
entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit aller Lebewesen.
Voraussetzung für die gewünschte Wirkung ist
eine unverdaute Passage der zugesetzten Kulturen durch
Magen und Dünndarm (soweit vorhanden) bis zu den
Orten der endgültigen Verdauungsprozesse in den
Enddärmen. Prebiotika sind bestimmte Nahrungsstoffe
und natürliche Substanzen (z.B. Ballaststoff- und
Stärkeverbindungen, sowie Pflanzenextrakte aus
z.B. Knoblauch und Zichorie) die das Wachstum und die
Vermehrung der probiotischen Kulturen in den Darmabschnitten
der Verdauung fördern.
Die gesundheitsfördernden Eigenschaften der probiotischen
Kulturen für alle Lebewesen - noch gefördert
in Verbindung mit Prebiotika - sind bereits seit längerer
Zeit bekannt und erforscht.
In hochwertigen Koi-Futtermischungen nehmen pro- und
prebiotika einen festen Platz ein, ein weiteres der
vielen Unterscheidungsmerkmale zu den leider manchmal
immernoch eingesetzten Billig-Mastfuttern aus der Teichwirtschaft.
Zusammensetzung
Angabe zu den verwendeten Futterkomponenten in der Reihenfolge
der Mengenanteile.
Wichtig zur ungefähren Beurteilung der Futterqualität
im Zusammenhang mit den deklarierten Inhaltsstoffen.
Eiweiße und Fette sollten überwiegend aus
Meerestieren stammen. Auch sehr gut geeignet sind Spirulinaalgen
und Hefen. Ein Weniger der Hauptnährstoffe aus
geeigneten Komponenten ist wesentlich besser als ein
Viel aus ungeeigneten. Stärketräger dürfen
nicht zu hoch eingesetzt sein. Noch am höchsten
verdaulich sind rohfaserarme Getreidesorten wie Weizen
und Mais. Zur Verbesserung der Stärkeverwertung
am besten hydrothermisch aufgeschlossen. Ungeeignet
sind sehr rohfaserreiche Komponenten. Es können
dann noch weitere Angaben zur Bewertung des jeweiligen
Futters gemacht werden, z.B. Zugabe von Wirkstoffen,
Immunstimulantien, Stoffen zur Aminosäurenaufwertung
(z.B. Betain), Farbverstärkern usw.
Haltbarkeitsdatum
Eine Futtermischung ist ein Naturprodukt und nicht unbegrenzt
haltbar.
Nicht nur z.B. Vitamine unterliegen ständig einem
gewissen Schwund.
Jede organische Substanz altert und zerfällt mit
unterschiedlicher Geschwindigkeit (besonders gefährdet
sind fettreiche Mischungen). Über die Dauer der
Haltbarkeit entscheiden sachgerechte Herstellung und
Lagerung eines Futtermittels. Hauptfeinde sind UV Strahlen,
Sauerstoff, Wärme und Feuchtigkeit.
Durch verschiedene Zusätze bei der Futterherstellung
wird vorzeitige Oxydation verhindert. Verringerung des
Feuchtigkeitsgehaltes der Mischung und die Bearbeitung
im Extruder reduzieren den Keimgehalt.
Anschließend kommt dann richtiger Verpackung
und Lagerung des Futters zunehmende Bedeutung zu.
Nach dem Absacken des losen Futters aus dem Silo des
Herstellers wird das Haltbarkeitsdatum aufgestempelt.
Und auch ein Rückstellmuster für etwaige spätere
Kontrollen gefertigt und aufbewahrt.
Wir empfehlen, Futtermittel sachgerecht aufzubewahren,
sie innerhalb des angegebenen Zeitraumes zu verbrauchen
und beim Einkauf auf Angabe des Haltbarkeitsdatums zu
bestehen!
Koifutter
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